Bürger der freien Reichsstadt
Evangelisches Gedanken- und Schriftgut kam durch Kaufleute nach Kempten. Martin Luther fand durch Pfarrer Sixtus Rummel bei den Patriziern Anklang, die Handwerker neigten mit Hilfsprediger Jacob Haistung zu Huldrich Zwingli.
1525 gelang es dem Magistrat, vom Fürstabt des Klosterstifts all seine Rechte in der Stadt abzukaufen. So stand der Reformation nichts mehr im Weg.
Auch gegen Kaiser Karl V., dem die Stadt direkt unterstand, konnten sich die Evangelischen durchsetzen. Mit Pfarrer Primus Truber entschied sich der Stadtrat 1553 für den lutherischen Glauben.
Die nunmehr evangelisch-lutherische Reichsstadt organisierte ihr eigenes Kirchen-, Schul- und Sozialwesen.
Mit der Stiftsstadt um das Kloster entstand neben der religiösen Abgrenzung auch politische und wirtschaftliche Konkurrenz, bishin zur Feindschaft.
Einflussreiche Minderheit in der königlich bayerischen Stadt
Mit ihrer Aufhebung 1803 wuchsen katholische Stifts- und evangelische Reichsstadt allmählich zusammen. Die Industrialisierung stellte die Gemeinde vor neue wirtschaftliche und soziale Herausforderungen.
Zahlenmäßig waren die Bürger der ehemaligen Reichsstadt in der Minder-heit. Aufgrund alter Rechte aber blieben die Evangelischen politisch und wirt-schaftlich stark vertreten. -
Alteingesessene und Neuzugezogene
Infolge des 2. Weltkrieges blutete die evangelische Altstadt mehr und mehr aus. Andrerseits zogen viele Flüchtlinge aus evangelischen Gebieten nach Kemp-ten. So entstanden in der Umgebung der Kernstadt unabhängige evangelische Kirchengemeinden. Heute wählen Senio-ren in Kempten ihren Ruhesitz und deutsche Aussiedler aus Russland suchen hier eine neue Existenz..
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